FamilienLeben mit Kindern, Intensive Gefühle, Paarbeziehung

Von Puppenstuben und ziemlich männlichen Garagen (Gastbeitrag von Daddy Cool)

Vorwort von Susn:

Männer in der Näh- und DIY-Welt sind nur selten zu sehen, derweil gibt es ganz viele. Ob selbst aktiv an der Nähmaschine (absolute Rarität!) oder „leidend“ neben der Frau – das Nähfieber und den Dekowahn der Liebsten ertragend… (sehr häufig anzutreffen – haha!). 🙂 Einer davon ist Matthi alias Daddy Cool (@daddy_co.ol), auch bekannt als der „Daddy unter den Mamabloggern“. Auf Instagram folgen ihm inzwischen über 18.000 Leser und Leserinnen, so auch ich. Nicht nur aufgrund seiner Mega-Muskel-Mann-Statur, sondern vor allem wegen seinen genialen lustigen Texten – und ihr wisst ja: ich liebe Humor! 🙂 Noch viel früher, nämlich vor 2,5 Jahren bereits, lernte ich seine Frau Dani alias Little Loveling (@little_loveling) während einem Probenähen kennen. Eine total liebe, sympathische und besonders hübsche Frau mit viel Herz fürs Detail. Während mein Mann am liebsten absolut puristisch wohnen würde und mir inzwischen sogar ein Deko-Einkauf-Verbot erteilt hat (haha!), lebt Daddy Cool mitsamt seiner Muskeln und Tattoos mitten im rosa Puppenparadies. 🙂 So und jetzt geht’s zu seinem grandiosen Gastbeitrag:

Wenn man(n) im Haushalt einer Nähverrück… ähm … einer Do-it-yourself-Frau lebt, dann bedeutet das auch, in einer Puppenstube zu leben.

Vor noch gar nicht allzu vielen Monden war meine Wohnung mal eine Dreier-Männer-WG. Sie war so richtig doll männlich. Ab und zu ließen wir in dieser Wohnung auch mal Frauen zu. Aber nur zu Besuch. Und ohne Frühstück. Gesundes Essen? Der leckerste Fisch ist immer noch der Schnitzel. Am liebsten mit Pommes. Und am liebsten schon fertig. Zum warm machen. Weil das kann Mann. Ordnung? Ist das halbe Leben, aber ich lebte wohl in der anderen Hälfte. Dekoration? Ich hatte eine Deckenlampe von IKEA. Und fand das völlig ausreichend.

Und dann kam… nennen wir sie Dani. Und plötzlich wurde alles irgendwie rosafarbener. Inklusive der Wohnung, die dann natürlich ihren Status als Männer-WG verlor. Und zwar zurecht. Weil es eben plötzlich so richtig selbstgemachtes Essen gab und die Farbe rosa, von deren Existenz ich bis dato zwar gehört hatte, sie mir aber nie persönlich begegnete. Deko hielt genauso Einzug wie zumindest eine gewisse Grundordnung. Dass ich, aus beinahe schon männlich-rebellischem Protest Socken und Shorts in dem Raum verteilte, wo ich mich den Tag zuvor auszog, hab ich mir bis heute bewahrt. In unserem Haus. Mit etwas weniger rosa. Was aber nicht gleichzeitig weniger farbenfroh bedeuten muss. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann, dass Greengate definitiv nicht nur grün ist.

Mittlerweile wohne ich wieder in einer Dreier-Männer-WG. Nur eben mit einer einzigen Frau. Und die Männer sind zwei Jungs von bald einem und knapp vier Jahren. Und diese Frau hat in der ersten Schwangerschaft beschlossen, jetzt so ziemlich alles zu do-ityourselfen. Häkeln, nähen, sticken, plotten, schnittmustern … Und natürlich braucht man dafür ganz viele Geräte und noch mehr Materialien und Werkzeuge. Und natürlich braucht man nicht einfach nur eine Nähmaschine. Nein, man braucht eine Nähmaschine, eine Overlock, eine Stickmaschine, einen Plotter, eine Transferpresse und ich bin mir sicher, noch einige Geräte vergessen zu haben.

UND: man braucht natürlich ein eigenes Zimmer. Eine wundersame Zauberwerkstatt für das Ausleben von bis dato weitgehend im Verborgenen gebliebener und nun umso dringender nach außen drängender Kreativität. Was sie anfangs auch ganz brav für ihre neu erworbene Leidenschaft nutzte. Aber irgendwann wurde selbst dieser Platz zu klein und sie breitete sich bis in das Wohnzimmer aus. Mit der Begründung, sie wäre so einsam, wenn sie nicht bei ihrem heiß geliebten Mann sein könne. Frau ist nunmal schlau und weiß, wie sie ihre Ziele verwirklicht.

Und ich? Lasse ihr ihren Spaß. Und bette meinen Luxuskörper zwischen bunten (gefühlt hunderten) Kissen und kleinen sowie übergroßen (gefühlt hunderten) Maileg-Wichteln. Immerhin bleiben mir ja Garten und Garage. Ja, ok, auch im Garten wird immer mal der jeweiligen Jahreszeit entsprechend dekoriert. Am besten immer noch vor den Nachbarn. Advent fängt nunmal im September an. Aber die Garage ist meins! Bis auf die paar Kisten Gartendeko, die dort in den Regalen auf ihren jahreszeitabhängigen Einsatz warten.

Aber gut: nicht allzu viele Männer können für sich behaupten, immer mal weltexklusive Klamotten tragen zu können. Mit einem eigenem Label. Oftmals aus Stoffen, von dessen Existenz bis dahin noch niemand sonst wissen durfte. Die dann mit einem Feuerwerk der Emotionen am Tage der Freigabe des jeweiligen Stoffdealers veröffentlicht werden. Wenn diese fleißigen Näherinnen ihre Männer oder ihre Kinder in ihre ganz eigenen Kreationen hüllen, sie gekonnt in Szene gesetzt ablichten und sie den anderen voller Stolz und in freudiger Erwartung derer Reaktionen in den sozialen Medien präsentieren.

Anmerkung von Susn: alle vier in selbst genähter Mode von Dani (Little Loveling)

Die Männer dieser Do-it-yourself-Frauen erkennt man übrigens ziemlich leicht. Sie sind in eben diese – meist unglaublich farbenfrohen, stets geschmackvoll aufeinander abgestimmten – Raritäten gehüllt und schwimmen auf Stoffmärkten oder Do-it-yourself- Messen in gebührendem Abstand im Bugwasser der fachkundigen Frau mit. In aller Regel sind diese menschlichen Lastentiere voll bepackt mit übergroßen Beuteln, in denen sich die neusten Errungenschaften befinden. Die allzu oft gar nicht dazu dienen, vernäht zu werden, sondern die legt man sich in Regale rein. Diese füllen dann besagtes Nähzimmer und sind ganz ähnlich denen im Lager der großen Einrichtungshäuser. Nur eben viel größer. Diese Stoffraritäten dienen nämlich als Altersvorsorge. Die Stofflager sehen sodann gern mal aus, wie der Keller von Fort Knox. Nur eben mit Gold aus Stoff. Nur dass diese Stoffe natürlich so viel wertvoller sind als dieses kalte Metall. Nur weiß das nicht unbedingt immer jeder genauso zu schätzen. „Natürlich darf der Stoff dort ein Jahr lang unberührt im Regal liegen! Niemals verklopp’ ich den bei EBAY, bist Du wahnsinnig!“.

Und bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: ich mag das alles ja. Ich mag, wenn jemand große Freude an dem hat, was er tut. Wenn jemand Sachen tut, WEIL er so große Freude daran hat. Ich mag diese Szene. Ich mag die allermeisten Leute, die ich bislang darüber als „Mann von…“ kennenlernen durfte. Es ist eine bunte Szene. Es ist eine Szene die sich liebt und eine Szene die sich hasst. Aber es ist eine Szene, die etwas Bleibendes produziert. Die schöne Dinge mag. Und im besten Falle Partner hat, die diese Dinge ebenso mögen. Und das trotz oftmals vorhandener völliger Kreativlosigkeit.

Und – trotz immer mal wieder vorkommender zwischenmenschlicher Unstimmigkeiten – ist es immer eine Szene, die durch die Liebe zu Stoff und Co. aus vielen Ich ein Wir, eine echte Gemeinschaft entstehen lässt.

Vielen Dank fürs Dabei sein, euer Matthi.

Wenn Ihr an meinem Alltag als „Mann von“ und Papa von zwei Jungs teilhaben wollt, dann besucht mich doch auf instagram.com/daddy_co.ol. Ich freu mich auf euch…

Danke Matthi @daddy_co.ol für deinen grandiosen Beitrag! Schaut unbedingt bei @daddy_co.ol und @little_lovleling vorbei! Dann bekommt ihr noch mehr Einblicke in die sympathische rosa Puppenstube mitsamt männlicher Garage! 🙂 

Eure

 

About Susn

Hallo, ich bin Susn alias Susanne Ida Schiegl, freie Designerin aus Bayern/Germany und Gründerin des Labels raxn. Ich bin 35 Jahre jung, Mama von vier wunderbaren Kindern und voller Leidenschaft für alles Schöne, das mich glücklich macht.

5 thoughts on “Von Puppenstuben und ziemlich männlichen Garagen (Gastbeitrag von Daddy Cool)

  1. Rilana sagt:

    Toll geschrieben. Herrlich wahr und ja, man erkennt sich selbst und den Ehemann darin wieder! Aber….es ist doch schön in unserer DIY-Näh-Bastel-verrückten Welt.

  2. Mein Mann hat es sich gerade durchgesehen und konnte alles so bestätigen. Klasse!!!
    Liebe Grüße Gabi

  3. Sabine sagt:

    Toll geschrieben! Ich musste ein paar Mal lachen und hab mich auch zum Teil wiedererkannt….
    Liebe Grüsse, Sabine

  4. Weishaupt, Angelika sagt:

    Ja, mir ist es vergönnt, tiefere Einblicke in das von Matthi geschilderte bunte Leben zu haben. Ich bin die Mama der fleißigen Näherin, Dekofrau, Köchin und immer den Überblick Habende, stets wieder neue Ideen Umsetzende und so liebevolle Mama und Tochter. Das ist wirklich bewundernswert, mit wieviel Begeisterung und stetem Fleiss ständig neue Sachen da entstehen. 😘

  5. Mamamulle sagt:

    Hach ich liebe eure Wohnung! @Matthi 😃😊

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